Zu Luise
Ich bin 1994 in Berlin geboren und in der Nähe des Mauerstreifens aufgewachsen. Nach Stationen in Sachsen-Anhalt, Indien, den Niederlanden, Ecuador, Niedersachsen und Österreich, habe ich in Leipzig 2022 mein Zuhause gefunden.
Meine Neugier für menschliches Zusammenleben haben mich durch meine verschiedenen Stationen begleitet. Aus Begeisterung wurde schnell auch die Einsicht der Zerstörung und Ungerechtigkeit, die uns täglich begleiten, wenn wir hinsehen. So war ich viele Jahre in der Klimagerechtigkeitsbewegung aktiv und habe Friedens- und Konfliktforschung studiert, um mehr zu begreifen, wie diese Dynamiken wirken und wie wir aus ihnen wieder rauskommen.
Auf der Suche nach einem Thema für meine Masterarbeit stand ich am Rande eines Feldes. Die Monokultur vor mir, das Waldstückchen im Rücken und der Mauerstreifen nur wenige Meter entfernt. Ich trauerte, um die verlorene Artenvielfalt, die kleiner werdenden Lebensräume nicht-menschlicher Wesen und die Krisen, Kriegen und Konflikten und ihre Folgen. So begann mein Weg Trauer als Teil gesellschaftlicher Transformation zu verstehen. Dabei haben mich meine eigenen, individuellen Erfahrungen des Verlustes von nahen Bezugspersonen und ungelebten Träumen ebenfalls stark geprägt.

Auf diesem Weg hat mich meine eigene Suche nach Ankommen auf dieser Welt begleitet, bin bei meinem eigenen Körper als erstem Zuhause gelandet1 und beim Tanzen als Selbstausdruck, Quelle der Inspiration und Regulation. Heute findet man mich beim Contact Impro oder Ecstatic Dance, joggend Runden im Park drehen, bouldern, Yoga praktizieren oder mit dem Fahrrad auf dem Weg an den See.
Außerdem habe ich immer wieder das Gefühl, dass der ganzen Welt ein soziales Regelwerk mitgegeben wurde und ich bei der Verteilung leider keines abbekommen habe. Aus diesem Gefühl der Fremdheit habe ich mich auf die Suche gemacht, zu verstehen, was Beziehungen zu anderen Menschen und zur nicht-menschlichen Welt ausmachen und wie sie gelingen können. Denn zu trauern, erfordert gefühlte Sicherheit und Halt durch die Gemeinschaft2.
Für mich ist Trauern essentieller Teil gesellschaftlicher Praxis und Transformation. Sie ermöglicht es uns anzuerkennen, was nicht (mehr) ist, obwohl wir es uns so sehr wünschen würde. Sie ermöglicht es uns zu fühlen, wonach genau wir uns so sehr sehnen. Und gibt uns Hinweise, wie wir für diese Qualitäten einstehen können und sie auf andere Wege in unser Leben integrieren können. Trauern als kollektive Praxis ist hinsehen, fühlen und mit Klarheit weiter für eine lebendige Zukunft einzustehen. Sie gibt uns Halt im Unerträglichen, verbindet uns mit dem, was wir lieben und erlaubt uns immer wieder weich zu bleiben, obwohl Härte der scheinbar einfachere Weg wäre3.
Wichtige Stationen & Weiterbildungen
- 2020 - 2026: MA Friedens- & Konfliktforschung an der Universität Innsbruck
- 2023 - 2025: Sozialbetreuerin in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete
- 2023: Kriseninterventionsberaterin Leipzig beim KIT Leipzig e.V.
- 2022 - 2023: Trauerprozessbegleitung beim Circlewise Institut
- 2019 - 2020: Circlewise Leadership Training beim Circlewise Institut
- 2019 - 2020: Weiterbildung Gestalttherapie beim Heldenweg Institut und Johannes-Peter Roggenbruck Freiburg
- 2017 - 2019: Aufbau der Projekthäuser *Funkenhaus* und Spinnerei bei Göttingen
- 2016: Auslandssemester an der USFQ Ecuador
- 2013 - 2016: BSc Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht
- 2012 - 2013: Freiwilligendienst in Indien über ijgd
Wichtige Inspirationsquellen
- Hospicing Modernity von Vanessa Machado do Oliveira
- The Work that Reconnects von Joanna Macy
- My Grandmothers Hands von Resmaa Menakem
- Braving the Wilderness von Brené Brown
- belonging von Toko-pa Turner
- The Art of Gathering von Priya Parker
- I'm with the bears editiert von Mark Martin
- We are the Middle of Forever editiert von Dahr Jamail & Stan Rushworth
- Multispecies mourning: grieving as resistance on the West Papuan plantation frontier by Sophie Chao
- The Wild Edge of Sorrow von Francis Weller
- finding refuge von Michelle Cassandra Johnson
- we heal together von Michelle Cassandra Johnson
- emergent strategy von adrienne maree brown
1 - (auch inspiriert von einem Gedicht von Pierre Lischke)
2 - (inspiriert vom Circlewise Institut)
3 - (inspiriert durch die Arbeit von K*)

